Neben der Familie und dem Freundeskreis spielen im privaten Lebensumfeld die Nachbarn eine herausragende Rolle. Wir begegnen ihnen nahezu täglich, und ihre Lebensgestaltung hat durch die räumliche Nähe unmittelbaren Einfluss auf unser eigenes Wohlbefinden. Eine gute nachbarschaftliche Beziehung ist daher ein ganz wesentlicher Faktor für die Zufriedenheit mit unserer privaten Wohnumgebung. Das Zuhause stellt ja einen wichtigen Rückzugsort dar, in dem wir uns frei, ungezwungen und vor allem sicher und ungestört fühlen wollen, um uns von der Last des Alltags zu erholen. Dementsprechend empfinden wir alle Beeinträchtigungen durch Nachbarn als besonders belastend.

Anders als unsere FreundInnen können wir uns jedoch die Nachbarn im Regelfall nicht aussuchen, wir haben es also mit Menschen zu tun, die möglicherweise völlig anders „ticken“ als wir. Im Fall von Unstimmigkeiten erschwert dieser Umstand noch zusätzlich eine Einigung bzw. ein Gespräch, da wir nicht davon ausgehen können, dieselbe „Sprache“ zu sprechen. Außerdem fallen wegen der üblicherweise fehlenden emotionalen Verbundenheit bestimmte „Argumente“ (bzw. eher Druckmittel) weg: in einer Beziehung mag eine angedrohte Beendigung vielleicht den Ernst der Lage klarmachen und das Gegenüber zu einer gütlichen Einigung motivieren. Ein uneinsichtiger Nachbar wird sich jedoch von einer Ankündigung wie „wenn sich das nicht ändert, dann muss ich wegziehen“ kaum beeindrucken lassen.

Einige Beispiele für häufige Streitpunkte zwischen Nachbarn:

  • Lärm – der häufigste Grund für Zwistigkeiten mit einer Vielfalt an Auslösern: Musik oder Fernseher, Maschinen oder andere Arbeitsgeräusche, spielende Kinder oder bellende Hunde – was für den einen „normal“ ist, kann für die andere ein dauerhaftes Ärgernis darstellen
  • Licht – zu viel durch als störend empfundene Beleuchtung oder zu wenig durch schattenwerfende Bäume. In bestimmten Fällen sieht der Gesetzgeber hier explizit vor, dass ein außergerichtlicher Einigungsversuch (Mediation) unternommen werden muss, bevor eine Klage eingebracht werden kann
  • Aufteilung von gemeinsam zu tragenden Kosten z.B. für Sanierungen oder Zufahrtswege
  • Widerstreitende Ansichten hinsichtlich gemeinsam genutzter Bereiche – etwa Unrat oder abgestellte Gegenstände im Stiegenhaus
  • Als unangenehm empfundene Gerüche – etwa durch intensiv genutzte Küchen oder auch einen Komposthaufen direkt an der Grundstücksgrenze
  • Bauliche Veränderungen, durch die ein Nachteil befürchtet wird
  • Unstimmigkeiten hinsichtlich des Verlaufs der Grundstücksgrenzen
  • Haustiere, die den Nachbargarten mitbenützen
  • Laub oder Unkraut aus dem angrenzenden Grundstück

Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. Die Ursachen für Nachbarschafts-Konflikte sind so vielfältig wie die betroffenen Menschen und die jeweils spezifischen Umstände. Eine Mediation kann in den meisten Fällen zu einer für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung führen und so einen nachhaltigen Frieden wiederherstellen und sichern. Nach einer Klage gibt es einen Gewinner, aber auch einen Verlierer. Nach einer erfolgreichen Mediation haben beide Parteien gewonnen und genießen die Vorteile eines dauerhaft guten Verhältnisses zu den Nachbarn.